ARTIKEL aus der Zeitschrift ALLEGRA über ROSIE GEISLER, Ausgabe Mai 2004:

Die
Leidenschaft neben dem Beruf
Wer kann sich nicht daran erinnern, in welchen Beruf er sich früher geträumt
hat? Astronaut vielleicht oder Tänzerin. Aber spätestens nach der
Ausbildung streichen viele Menschen ihre Träume und beschäftigen sich
mit einem Beruf, der sie nicht erfüllt. Häufig aus Angst vor fehlender
Sicherheit. Aber ein Traumberuf muss ja nicht unbedingt zum Hauptberuf werden.
Roswitha Geisler erzählt, wie sie sich ihren Traum neben ihrem Beruf erfüllt...
"Als die
Rockmusik und ich noch sehr jung waren, schlossen wir eine innige Freundschaft,
die bis heute gehalten hat. Klar, es gab im Laufe der Zeit Höhen und Tiefen,
aber es war immer eine spannende und faszinierende Beziehung. Die erste Single-Schallplatte,
die ich mir im Jahre 1966 kaufte, war "Happy Jack" von The WHO, und
ich war nicht nur von der grandiosen Musik begeistert, sondern auch von dem
Plattencover. Es war gelb und zeigte die Jungs in einer leicht karikierenden
Zeichnung. Ich setzte mich hin und malte es ungefähr hundert Mal ab, anschliessend
verzierte ich wochenlang sämtliche Schulhefte damit. Das war der Beginn
meiner Rockmusikmanie. Im Laufe der Zeit kaufte ich mir Platten natürlich
in erster Linie wegen der elektrifizierenden Musik, aber zum Teil auch wegen
der Cover, die mir ins Auge stachen. Besonders beeindruckt war ich vom Psychedelic-Rock
und dessen großartigen Plattenhüllen, als Beispiel möchte ich
an dieser Stelle das der "The Thirteenth Floor Elevators" nennen,
betitelt "The Psycheledic Sounds", welches ein Auge in einem von Farben
umwaberten Auge zeigt. Ich begann, selbst welche zu entwerfen. Ich erbettelte
einige ausrangierte Beat-Singles aus einer Musikbox zu 50 Pfennig das Stück
und zeichnete mir mittels Pelikan-Deckfarbkasten selbst Cover dazu. Mein erster
Auftrag war ein Plakat für ein Schulfest, welches mittels eines Matritzenapparates
in der Auflage von 7 Stück vervielfältigt und anschliessend handcoloriert
wurde. Da dieses Plakat bei einigen Mitschülern Anklang fand, wurde eine
Nachauflage von 5 Stck. hergestellt.
Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre war es natürlich ziemlich
illusorisch, die beiden Komponenten Rockmusik und Kunst im Rahmen einer soliden
Ausbildung unter einen gemeinsamen Hut zu bekommen, ganz besonders für
Frauen und noch dazu im tiefsten Sauerland, in welchem ich damals mein Dasein
fristete. So erlernte ich einen "richtigen" Beruf und bin heute Teilhaberin
und Kaufmännische Leiterin eines Software Hauses in der Nähe von Köln.
Aber die Rockmusik und deren visuelle Darstellung blieb immer ein wesentlicher
Teil meines Lebens. Ich sammele nicht nur Platten, CD`s und Konzertvideos, sondern
auch Plakate, Tourhefte, Songbooks, Fotos, Programme und Tickets. Und nicht
nur das, mit der Zeit ging die Saat auf und ich beschloss, mein Hobby zu einer
freizeitfüllenden Tätigkeit werden zu lassen. Ich begann, für
verschiedene lokale Bands Fotos, Tonträger-Cover, Plakate, Presseinfos
und Tickets zu gestalten, um Gratis-Konzerteintritt zu bekommen - als Dreingabe
gab und gibt es schöne und dauerhafte Freundschaften. Angepasst an das
Erscheinungsbild und die Philosophie ihrer Musik entwickele ich Logo, Grafik
und Layout für die visuelle Präsentation.
Für mich persönlich gibt es Bands, die verdienen aufgrund
ihrer Authentizität, ihres Könnens, ihrer wilden Begeisterung und
ihrer Entschlossenheit viel mehr Aufmerksamkeit und Akzeptanz. Es ist die Glaubwürdigkeit
und die Lebendigkeit, die mich anspricht, im Gegensatz zu der andererseits harmlosen,
maßgeschneiderten Pop-Musik mit ihren schönen, wie geklonten Idolen,
denen ich natürlich auf keinen Fall musikalisches Können absprechen
möchte. Meine obige Aussage basiert auf dem, was mir persönlich als
einzigartige und lebendige Musik voller Power ins Ohr geht und von dem ich denke,
dass es noch mehr Leuten zugänglich werden sollte. Aus diesem Grunde beschäftige
ich mich darüber hinaus mit dem Planen, Organisieren und Vermitteln von
Auftritten, Events und Festivals, sowie mit dem Schreiben von Presseinfos, Rezensionen
und Reviews.
Die Rockmusik wird immer bunter und vielfältiger und ich bin glücklich darüber, dass sie weit davon entfernt ist, schwächer zu werden oder gar zu sterben, wie es in grauer Vorzeit immer wieder behauptet wurde. Im Gegenteil, ich denke, dass sie heute bedeutender ist denn je. Das aber, was mir leid tut, ist, dass sich die grafische Gestaltung der Cover von circa 33 cm für eine LP nun auf knapp 13 cm Durchmesser reduziert hat."
Rosie Geisler,
www.tulakes.de