ARTIKEL aus der Zeitschrift ALLEGRA über ROSIE GEISLER, Ausgabe Mai 2004:

Rosie Geisler (Aufgenommen im Oktober 2004 beim 2. Rory Gallagher Review in der Bronx in Köln)

Die Leidenschaft neben dem Beruf
Wer kann sich nicht daran erinnern, in welchen Beruf er sich früher geträumt hat? Astronaut vielleicht oder Tänzerin. Aber spätestens nach der Ausbildung streichen viele Menschen ihre Träume und beschäftigen sich mit einem Beruf, der sie nicht erfüllt. Häufig aus Angst vor fehlender Sicherheit. Aber ein Traumberuf muss ja nicht unbedingt zum Hauptberuf werden. Roswitha Geisler erzählt, wie sie sich ihren Traum neben ihrem Beruf erfüllt...

"Als die Rockmusik und ich noch sehr jung waren, schlossen wir eine innige Freundschaft, die bis heute gehalten hat. Klar, es gab im Laufe der Zeit Höhen und Tiefen, aber es war immer eine spannende und faszinierende Beziehung. Die erste Single-Schallplatte, die ich mir im Jahre 1966 kaufte, war "Happy Jack" von The WHO, und ich war nicht nur von der grandiosen Musik begeistert, sondern auch von dem Plattencover. Es war gelb und zeigte die Jungs in einer leicht karikierenden Zeichnung. Ich setzte mich hin und malte es ungefähr hundert Mal ab, anschliessend verzierte ich wochenlang sämtliche Schulhefte damit. Das war der Beginn meiner Rockmusikmanie. Im Laufe der Zeit kaufte ich mir Platten natürlich in erster Linie wegen der elektrifizierenden Musik, aber zum Teil auch wegen der Cover, die mir ins Auge stachen. Besonders beeindruckt war ich vom Psychedelic-Rock und dessen großartigen Plattenhüllen, als Beispiel möchte ich an dieser Stelle das der "The Thirteenth Floor Elevators" nennen, betitelt "The Psycheledic Sounds", welches ein Auge in einem von Farben umwaberten Auge zeigt. Ich begann, selbst welche zu entwerfen. Ich erbettelte einige ausrangierte Beat-Singles aus einer Musikbox zu 50 Pfennig das Stück und zeichnete mir mittels Pelikan-Deckfarbkasten selbst Cover dazu. Mein erster Auftrag war ein Plakat für ein Schulfest, welches mittels eines Matritzenapparates in der Auflage von 7 Stück vervielfältigt und anschliessend handcoloriert wurde. Da dieses Plakat bei einigen Mitschülern Anklang fand, wurde eine Nachauflage von 5 Stck. hergestellt.

Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre war es natürlich ziemlich illusorisch, die beiden Komponenten Rockmusik und Kunst im Rahmen einer soliden Ausbildung unter einen gemeinsamen Hut zu bekommen, ganz besonders für Frauen und noch dazu im tiefsten Sauerland, in welchem ich damals mein Dasein fristete. So erlernte ich einen "richtigen" Beruf und bin heute Teilhaberin und Kaufmännische Leiterin eines Software Hauses in der Nähe von Köln. Aber die Rockmusik und deren visuelle Darstellung blieb immer ein wesentlicher Teil meines Lebens. Ich sammele nicht nur Platten, CD`s und Konzertvideos, sondern auch Plakate, Tourhefte, Songbooks, Fotos, Programme und Tickets. Und nicht nur das, mit der Zeit ging die Saat auf und ich beschloss, mein Hobby zu einer freizeitfüllenden Tätigkeit werden zu lassen. Ich begann, für verschiedene lokale Bands Fotos, Tonträger-Cover, Plakate, Presseinfos und Tickets zu gestalten, um Gratis-Konzerteintritt zu bekommen - als Dreingabe gab und gibt es schöne und dauerhafte Freundschaften. Angepasst an das Erscheinungsbild und die Philosophie ihrer Musik entwickele ich Logo, Grafik und Layout für die visuelle Präsentation.


Für mich persönlich gibt es Bands, die verdienen aufgrund ihrer Authentizität, ihres Könnens, ihrer wilden Begeisterung und ihrer Entschlossenheit viel mehr Aufmerksamkeit und Akzeptanz. Es ist die Glaubwürdigkeit und die Lebendigkeit, die mich anspricht, im Gegensatz zu der andererseits harmlosen, maßgeschneiderten Pop-Musik mit ihren schönen, wie geklonten Idolen, denen ich natürlich auf keinen Fall musikalisches Können absprechen möchte. Meine obige Aussage basiert auf dem, was mir persönlich als einzigartige und lebendige Musik voller Power ins Ohr geht und von dem ich denke, dass es noch mehr Leuten zugänglich werden sollte. Aus diesem Grunde beschäftige ich mich darüber hinaus mit dem Planen, Organisieren und Vermitteln von Auftritten, Events und Festivals, sowie mit dem Schreiben von Presseinfos, Rezensionen und Reviews.

Die Rockmusik wird immer bunter und vielfältiger und ich bin glücklich darüber, dass sie weit davon entfernt ist, schwächer zu werden oder gar zu sterben, wie es in grauer Vorzeit immer wieder behauptet wurde. Im Gegenteil, ich denke, dass sie heute bedeutender ist denn je. Das aber, was mir leid tut, ist, dass sich die grafische Gestaltung der Cover von circa 33 cm für eine LP nun auf knapp 13 cm Durchmesser reduziert hat."

Rosie Geisler, www.tulakes.de